Story schreiben

 

Worüber soll ich schreiben, damit ich ein vielgelesener Autor bin?

70% der Buchkäufer sind Frauen und bevorzugen Krimis, historische und Liebesromane. Einige lesen nur Bücher ab 500 bis 1000 Seiten. Sie wollen sich in eine andere Welt transformieren lassen, auf dem Sofa auf Reisen gehen. Männer lesen eher Biographien von Berühmtheiten, Sachbücher oder Business-Romane.

Wer ein Genre wählt, das viele lesen, hat eine unglaublich grosse und etablierte Konkurrenz, auch aus dem englischen Sprachgebiet. Übersetzungen sind „in“. Die kosten die Verlage wenig.

Im Grundsatz soll jeder Autor das machen, was er besser kann als andere. Kann sein, dass man dann eine kleinere Zielgruppe hat, aber eine, die sich stetig aufbauen lässt. Es ist kein Zufall, dass es viele Trilogien gibt. Erst die dritte Ausgabe schafft den Durchbruch finanziell gesehen. Beachte, dass ein Roman ohne Happy End ein gelungener Roman ist und ein Roman mit Happy End ein erfolgreicher. Es ist von Vorteil, wenn du ein positives Ende gewählt hast. Das stellt dich als Autor und den Leser auf.

Dennoch lässt sich mit einem Buch in der Schweiz kaum Geld verdienen. Der Markt ist klein, die Vertriebskosten hoch. Selbst jene, die auf Platz 1 sind, können davon in der Schweiz nicht leben. Man braucht mindestens noch den deutschen Markt. Gut ist, wenn man verfilmt wird und der Film ein Kassenschlager wird, doch das ist alles andere als einfach und hat auch mit Glück zu tun. Kurzgeschichten von 4 bis  35 Minuten könnten dank dem Handy ein Trend werden. Das ist ein riesiger Markt und der wird voraussichtlich von kapitalstarken Playern besetzt werden. Dazu brauchen die Produzenten aber Kurzstorys zum Sehen und Hören.

Entscheidend ist worüber man schreibt und weniger wie man schreibt, sagte Martin Suter einst in Frankfurt. In Worten eines Kochs ausgedrückt: Schnitzel Pommes frites mit Salat schmeckt  mehr Kunden als Fisch mit Reis, zumindest in unseren Kreisen.

Und dennoch gibt es nur ein Rezept: Schreib das, was dir am Herzen liegt. Alles andere funktioniert garantiert nicht. 

 

Schreiben hat mit Kochen Ähnlichkeiten

Wer seine Gäste nicht kennt, kann die Erwartungen nicht erfüllen. Wobei die Zutaten wichtiger sind als die Zubereitung.
Ein Thema, das keinem schmeckt, wird auch gut zubereitet keinen Absatz finden.

 

Ob kurze oder lange Texte, die Grundlagen für gutes Erzählen sind dieselben.

 

Womit starten und in welcher Zeitform soll die Story geschrieben werden?

Das erste Kapitel widme ich dem Anfang allen Übels, der Verschwörung. All jene, die dieser heimlichen Absprache zum Opfer fallen und auf der Strecke bleiben, folgen in weiteren Kapiteln. Und ich habe mich für die Formulierung in der Gegenwart entschieden. Aus meiner Sicht liest sich das flüssiger.

 

 

Der Inhalt ist die wahre Herausforderung!

Die Vorstellung, der Autor sitzt vor einem leeren Blatt Papier und legt dann einfach mal los, kann man sich gleich abschminken. So funktioniert es nicht. Eine Story braucht viel "Geist", soll sie nicht langatmig werden. Und eine Story darf wirklich vieles, aber nur nicht langweilig werden.

Bevor man also eine Geschichte schreibt, sollte man Inhalte in Form von Notizen über eine längere Zeit zu Papier gebracht haben. Es braucht einfach mehr Ideen, als dem Autor im Schreibprozess spontan einfallen. Viel mehr!

 

Soll die Story etwas bewirken?

Haben die Handlungen einen tieferen gesellschaftlichen Sinn? Wenn ja, welchen? Der tiefere Sinn müsste im Buchtitel zum Tragen kommen. Ergo sollte man sich mit der Moral der Geschichte auseinandersetzen und den Arbeitstitel im Vorfeld definieren.

 

Sind Gedanken ortsgebunden?

In meinen Storynotizen stelle ich fest, dass ich mich unter gewissen Umständen immer wiederhole. Das Umfeld färbt und prägt mein Verhalten. Wenn ich zum Beispiel in die Stadt radle, beginne ich seltsamerweise immer ab dem gelben Gebäude das Lied „Halleluja“ zu trällern. Demnach steuert das Umfeld die Gedanken, gibt Impulse, was zu tun ist.

Im Klartext: Wenn du erfolgreich eine Story schreiben willst, musst du das passende Umfeld wählen, und wenn es regnet, dunkelgrau und verhangen ist, befasst man sich am besten mit den Bösewichten.

 

In einer anderen, virtuellen Welt.

Wenn du eine Geschichte schreibst, ist dein Zuhause für Monate oder gar Jahre dort, wo die Geschichte stattfindet.

 

Mit Kopf und Bauch schreiben.

Gute Storys schreibt man auf zwei Ebenen: Der Kopf analysiert, der Bauch formuliert.

Diese Reihenfolge sollte man einhalten. Denn wer zu schreiben beginnt, noch bevor die Botschaft klar ist, wird langweilige oder komplizierte Texte schreiben. Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Die besten Texte schreibe ich, wenn ich den Inhalt im Hinterkopf schon längst strukturiert habe. Zuerst denken, dann schreiben ist heute mein Motto. Zugegeben, das ist nicht sehr sexy und vermutlich für Liebesromane keine geeignete Strategie. Doch für meine Business-Thriller schon.

 

Der Autor kann sich auf zwei Arten profilieren

Entweder auf die Art und Weise wie er etwas beschreibt, oder worüber er schreibt. Schreibt er besonders bildhaft und erst noch über etwas, dass noch keiner beschrieben hat, hat er gar die Chance zu den viel gelesen Autoren zu zählen.

 

Schreibst du für viele oder wenige Leser ?

Je mehr Leser du haben willst, desto einfacher musst du formulieren. Es gilt, den gemeinsamen Nenner aller Leser zu finden. Das gilt für die Wortwahl als auch für die Themen. Boulevardzeitungen versuchen das täglich. Da gilt der Grundsatz, dass auch 13-Jährige den Text verstehen müssen. Das bedeutet aber nicht, dass der Journalist oder die Leser auf diesem Bildungsniveau stehen geblieben sind. Vielmehr ist das der grösste gemeinsame Nenner eines Volkes. Denn jeder von uns ist in seinem Beruf ein Spezialist, verfügt über anderes Wissen und andere Fachbegriffe als seine Mitmenschen.

 

Die Charaktere sind das Wichtigste!

Soll es da nur den Antagonisten und den Protagonisten geben: Den Jäger und den Gejagten? Oder wie viele Mitläufer, Komplizen, Liebhaber, Verräter, Bösewichte, Narren, Gehilfinnen und Beschützer wird es geben? Und wie sehen die aus? Haben die Bäuche, Bärte und welche Kleider tragen die? Oder erscheinen die in Form von Tieren wie Schlangen, Affen, Esel oder gar in Form einer Spinne?

 

Die Realität ist brutal genug.

Wir brauchen keine weiteren Storys, in denen das Böse herrscht, ist oft zu vernehmen. Dem widersprach der verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki energisch. Ein Roman, der nicht von Hochs und Tiefs, vom Lieben und Sterben handelt, ist nicht lesenswert.

 

Du musst dich bewegen!

Wenn du für das Schreiben geistig fit bleiben willst, musst du dich bewegen. Beim Sport kommen die besten Ideen.

 

Den roten Faden spannen.

Dank der Autoren-Software "Scrivener" konnte ich meine Story relativ schnell in einer Drei-Akt-Struktur anlegen und die Inhalte in Stichworten in die digitalen Karteikarten schreiben.

Jetzt spanne ich die Fäden und entwerfe die Spannungsbögen. Welche Frage taucht wo auf und wann wird diese beantwortet? So durchlebe ich nun die Story in groben Zügen, bevor ich sie in zusammenhängende Sätze fasse.

 

So verhinderst du Schreibblockaden.

1. Bevor du mit dem Schreiben aufhörst, halte in Stichworten die nächste Handlung fest. So findest du spielend den Anschluss.

2. Doch bevor du wieder mit dem Schreiben beginnst, überarbeite deinen vorherigen Text. So stimmst du dich aufs Schreiben ein.

Diese Vorgehensweise erleichtert dir jeweils den Einstieg ungemein und so wirst du deine Story in kürzerer Zeit schreiben und das erst noch in einer besseren Qualität. Oder du plottest deine Story, bevor du zu schreiben beginnst.

 

Für eine Seite braucht der Leser zwei Minuten, ich als Autor für den groben Entwurf zwei Stunden!

Für den Entwurf meines ersten Business-Romans habe ich 1100 Stunden gebraucht. Für die Überarbeitung der 224 Seiten nochmal so viel. Zähle ich die vorangegangenen Recherchen von 400 Stunden hinzu, ergibt das 2600 Stunden, also rund 15 Monate. Der Leser braucht fürs Lesen einen einzigen Arbeitstag.

Beim zweiten Roman sollte ich es in der halben Zeit schaffen. Zumindest hoffe ich das.

 

 

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